Der Trend geht zum “Miteinander”: Gemeinschaftspraxen und medizinische Versorgungszentren

In den letzten Jahren entscheiden sich immer mehr Ärzte für eine Zusammenlegung Ihrer Praxis mit Kollegen, um als zentrale Anlaufstelle für Patienten präsent zu sein und verwaltungstechnische Synergien des Praxisbetriebes zu nutzen.

Deutschland, wie auch Europa, blickt auf eine Zukunft mit immer mehr älteren Menschen und einer stetig steigenden Zahl an chronisch Erkrankten und pflegebedürftigen Menschen. Die Anforderungen an das Gesundheitswesen und die Kosten für den medizinischen Fortschritt sowie für die Grundversorgung der Gesellschaft steigen weiter an.

Demografischer Wandel auch bei Ärzten

Auch vor der Ärzteschaft macht der demografische Wandel natürlich nicht halt. Seriöse Schätzungen gehen von über 50.000 Arztpraxen aus, die in den nächsten 10 Jahren an einen Nachfolger gehen oder gar aufgegeben werden. Die Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen werden sich anhand dieser Entwicklung ebenfalls verändern. Die stetig ansteigende Lebenserwartung bei gleichzeitiger Stagnation der Geburtenzahl bedingt einen quantitativen Zuwachs von chronischen Erkrankungen und eine daraus resultierenden erhöhten Behandlungsbedarf.

Strukturelle Anpassung von Arztpraxen an die „Gesundheitswirtschaft“

Die Versorgungssituation der Menschen in Deutschland wird sich drastisch verändern, wie bereits in einigen Regionen der sich abzeichnende Ärztemangel zeigt. Besonders wegen der finanziell unsicheren Zukunftsperspektive wird sich diese Situation im niedergelassenen Sektor weiter verschärfen. Daher wird sich auch in Zukunft die ambulante ärztliche Versorgung im Wesentlichen auf freiberuflich tätige Vertragsärzte sowie in besonderen Fällen auf die Behandlung im Krankenhaus stützen.

Darüber hinaus werden neue Modelle der Gesundheitsversorgung auf den Plan treten und aktiv an der Gestaltung der Versorgung teilnehmen. Das Gesundheitswesen wird zunehmend vom Begriff der Gesundheitswirtschaft eingenommen, dem ein stärkerer Anspruch an Markt und Management entspringt, als dem gesundheitlichen Gemeinwesen. Höhere Investitionen in Forschung, Technik und Dienstleistungen werden zukünftig von Leistungsträgern in größeren Strukturen getragen und auch für Leistungserbringer die bisher wirtschaftlich selbstständig agierten, werden Anreize für weitere Konsolidierungen entstehen.

Rahmenbedingungen für die Weichenstellung

Bereits Anfang 2004 trat das Gesetz zur Modernisierung der gesetzlichen Krankenversicherung (GMG) in Kraft, das die Rahmenbedingungen für den Zusammenschluss von Ärzten sowie die Neugründung von Gesundheitszentren oder Versorgungszentren regelt. Mit Inkrafttreten des Vertragsarztrechtsänderungsgesetz (VÄndG) zum 1.1.2007 wurden weitere Anpassungen im Gesetz vorgenommen.

Unter einem Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) versteht man eine fachübergreifende, ärztlich geleitete Einrichtung. Fachübergreifend ist ein MVZ im oben genannten Sinne immer dann, wenn im MVZ mindestens zwei verschiedene Facharztgruppen vertreten sind. Möglich ist dies als selbständiger Vertragsarzt oder auch als angestellter Mediziner.

MVZ können sich aller zulässigen Organisationsformen (z.B. GmbH, GbR, PartG oder AG) bedienen. Sie können von Vertragsärzten, aber auch von anderen Personen oder Einrichtungen, die zur Bereitstellung ärztlicher oder nichtärztlicher medizinischer Leistungen berechtigt sind, wie z.B. Krankenhäusern, Apotheken sowie Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen gegründet werden. Sie müssen in jedem Fall eine ärztliche Leitung haben, die in medizinischen Fragen nicht an Weisungen gebunden ist. Seit Jahren nun entstehen Land auf- und Land ab Medizinische Versorgungszentren und die Entwicklung setzt sich weiter fort.

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Aktuelle Entwicklung der MVZ im 1. Quartal 2010
Anzahl der Zulassungen 1.503
Gesamtzahl der im MVZ tätigen Ärzte 7.526
Vertragsärzte 1.320
Ärzte in Anstellungsverhältnis 6.206
MVZ-Größe Ø 5,0 Ärzte
vorwiegende Gründer Vertragsärzte und Krankenhäuser
MVZ in Trägerschaft von Vertragsärzten 48,7 Prozent
MVZ in Trägerschaft eines Krankenhauses 38,5 Prozent
vorwiegende Rechtsformen GmbH, GbR, Partnerschaft
Am häufigsten beteiligte Facharztruppen Hausärzte und Internisten

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