Zukunftsmodell „virtuelles MVZ“?

Neben dem „klassischen“ MVZ treten derzeit gerade bei Berufseinsteigern und jungen Ärzten zunehmend Zukunftsmodelle in den Vordergrund, die das Ziel verfolgen, neben den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Aspekten insbesondere den privaten und familiären Perspektiven des Arztberufes gerecht zu werden.

Die Medizin wird weiblich, ist immer häufiger zu lesen. Die Fakten sprechen eine klare Sprache: Heute schon sind 63 % der jungen Menschen, die Medizin studieren, weiblich. Inwieweit sich diese Veränderungen auch in medizinischer Sicht auf die Behandlung auswirken, bleibt nach wie vor umstritten. Fest steht, wenn mehr Frauen in medizinischen Berufen tätig sind, muss sich das Berufsbild auch den zukünftigen familiären und sozialen Anforderungen anpassen.

Wenn schon heute mehr als die Hälfte der Studierenden weiblich sind, ist davon auszugehen, dass sich die Beschäftigungsstruktur zusätzlich dahingehend verändern muss, dass Frauen – und auch Männer – Familie und den Arztberuf vereinbaren können.

Praxisübergreifendes Ressourcen-, Zeit- und Patientenmanagement

Neben der Möglichkeit, als angestellte Ärztinnen und Ärzte in MVZs zu arbeiten, die heute schon zum großen Teil zu Klinik-Konzernen gehören, kann auch die Errichtung von „virtuellen MVZ“ ein Arbeits-modell der Zukunft werden.

Darunter versteht man den virtuellen ökonomisch-organisatorischen Zusammenschluss von mehreren Einzel- und Gemeinschaftspraxen (haus- und fachärztlich ausgerichtet) standortübergreifend und mit dem Ziel gemeinsamer und wechselseitiger Nutzung von Ressourcen. Wahrscheinlich ist davon auszugehen, dass Ärztinnen häufiger aus familiären Gründen zu Teilzeitbeschäftigungen neigen als Männer und daher eher die angestellte Tätigkeit vorziehen.

Reale Alternative oder Bürokratiedschungel?

Derzeit begleiten noch einige Einstiegsbarrieren das Denkmodell eines virtuellen MVZ. Die technologischen Möglichkeiten, Praxisstandorte zu einem virtuellen medizinischen Versorgungszentrum zu vernetzen, sind jedoch bereits gegeben. Zudem sind die gesetzlichen Rahmenbedingungen mittlerweile geschaffen. Natürlich bleiben organisatorische Aufgaben zu bewältigen und nicht zuletzt steht am Ende der Patient, der vertrauensvoll an diese neue, dezentrale Organisationsform herangeführt werden muss.

Die Optionen, die sich dadurch bieten, können Teilzeitmodelle oder Vertretungsstrukturen wesentlich besser abbilden, als dies Einzelpraxen oder Praxisgemeinschaften am selben Standort leisten. Die Freiheit, standortübergreifend zu agieren, dient zudem der Erhaltung der Freiberuflichkeit der Ärzte.

Wie immer stehen am Anfang Visionen, die mit Leben gefüllt werden müssen. Neue Wege zu gehen und sich kreativ zu vernetzen sollte nicht allein den Ärztinnen vorbehalten sein, aber vielleicht sind aus dieser Richtung die ersten Tendenzen zu erwarten. Profitieren werden beide Geschlechter davon und Familien ebenso.

[LINK] Sie interessieren sich für die technischen Möglichkeiten einer „virtuellen Arztpraxis“?

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